Von der Entdeckung der Tumorerkrankung bis zum heutigen Stand und vielleicht noch ein Stück darüber hinaus I & II
 
Referent: HP Wolfgang Ebert
Zeit:
Teil I:  09.45 - 10.30 Uhr
Teil II: 11.00 - 11.45 Uhr

 
Vortragsbeschreibung:

Die Tumorerkrankung beschäftigt die Medizin bestimmt schon seit ca. 100 Jahren, vielleicht auch länger! Hier zeigen wir, was es alles an Anstrengungen sowohl diagnostisch als auch therapeutisch schon gegeben hat, wie der neueste Stand ist, wagen einen Blick in die Zukunft und versuchen einzuschätzen, wo die Chance der biologischen Heilweisen in Bezug auf eine Heilung, eine Lebensverlängerung oder sogar eine Lebensqualtitätsverbesserung ist. Neueste Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft verknüpft mit den Erfahrungswerten in der ambulanten, naturheilkundlichen Praxis habe ich hier zusammengetragen.
Die ältesten Dokumente über Vorkommen und Behandlung von Tumorerkrankung finden wir im 3. Jahrtausend v. Chr. bei den Chinesen. Als Ursache sahen die Ärzte der chinesischen Medizin eine Regulationsstörung im Organismus. Diese versuchten sie mit Phytotherapie und Akupunktur zu beheben.
Im alt-indischen Ayurveda (ca. 2000 v. Chr.) versuchte man der Tumorerkrankung mit Mineralien und pflanzlichen Drogen zu begegnen. Oberflächliche Tumore wurden mit Glüheisen ausgebrannt.
Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) gilt als Eckpfeiler unserer westlichen Medizin. In den Schriften dieses Klassikers finden sich zahlreiche Angaben über Ursachen und Behandlung von Tumorerkrankungen. In seinen Schriften werden bösartige Tumore erstmals als „Carcinoma“ bezeichnet. Die „Entmischung der Säfte“ (Blut, Schleim, Galle) durch im Organismus entstehende Gifte, machte er als Ursache am Tumorgeschehen verantwortlich. Er empfahl daher, den Organismus durch entschlackende Mittel zu entgiften. Die chirurgische Entfernung wurde nur bei solchen Tumoren durchgeführt, wo es unbedingt notwendig erschien. Zur internen Behandlung wurden Arsen, Schwefel, Cantharis, Helleborus niger u. a. m. zur Anwendung gebracht. Dem Kranken wurde eine besondere Diät auferlegt. Das griechische Wort „Diaita“ bedeutet Lebensweise, hat also nicht allein Bezug auf die Ernährung, sondern auf die gesamte Lebensweise eines Menschen. „Diaita“ empfiehlt so die Enthaltung aller schädlichen Einflüsse, also auch in seelischer und geistiger Hinsicht. Über fünfhundert Arbeiten kennen wir von Galen (131 – 200 n. Chr.), dem Begründer der experimentellen Physiologie und Pathologie. Zu ihnen gehört auch eine Reihe von „cancerologischen Schriften“. Wie Hippokrates ist auch Galen ein Vertreter der Säftelehre. Auch Galen sieht die Tumorerkrankung als konstitutionell bedingte Erkrankung des Organismus an. Die innere Behandlung müsse so an erster Stelle stehen, die operative Behandlung allen internen Maßnahmen nachgeordnet werden. In seinen Werken gibt er klare Diätvorschriften mit Angaben über verbotene und erlaubte Speisen. Auch die neuere Forschung bestätigt, dass die Ernährung einen maßgeblichen Anteil an der Tumorentstehung beiträgt.
Oribasius (325 – 403 n. Chr.), Leibarzt des Kaisers Julianus Apostata, verfasste eine siebzigbändige medizinische Enzyklopädie. Als Tumorursache werden hier eine „gärende Substanz“ und die „Schärfe der Säfte“ genannt. Der Tumor sei heilbar, wenn die inneren Gifte durch Entschlackung zur Ausscheidung gebracht würden.
Paulus von Ägina (625 – 690 n. Chr.) wies darauf hin, dass Tumore an jeder inneren und äußeren Stelle des Organismus entstehen können. Operationen empfahl er nur beim Brusttumor. Auffallend ist also, dass bereits die großen Ärzte des Altertums den Wert einer verbesserten Entgiftung bei der Behandlung der Tumorerkrankung durch Erfahrungen und Beobachtungen bestätigt sahen. Diese Ärzte beherrschten die Kunst, mit entsprechenden pflanzlichen und mineralischen Arzneimischungen den Organismus zu entgiften.
Der hundert Bände umfassende „Canon medicinae“ des Avicenna (980 – 1037 n. Chr.) galt noch zu Paracelsus Zeiten als bestes Lehrbuch der Medizin. Jede nicht unbedingt notwendige chirurgische Behandlung der Tumorerkrankung war verpönt.
Bombastus Theophrastus von Hohenheim, bekannt als Paracelsus (1493 – 1541) war der bedeutendste Arzt der beginnenden Neuzeit. Er war ein großer Reformator der Heilkunde, er erprobte viele Rezepte der arabischen Alchimie und wandte sie auch bei der Tumorerkrankung erfolgreich an. Er stellte fest, dass „nicht der Arzt heilt, sondern die Natur“. Der Arzt solle daher die Selbsthilfe der Natur durch sinnvolle Maßnahmen unterstützen. Die Verbesserung der körperlichen Abwehr nimmt er damit fest in seinen Therapieplan auf. Er wandte von phytotherapeutischen Heilmitteln u. a. Helleborus niger, ein Hahnenfußgewächs, das eine mistelartige Wirksamkeit zu entfalten vermag, den Mauerpfeffer, Sedum, Arnica, sowie Knoblauch, Zwiebeln und wilde Laucharten zur Behandlung von Tumorerkrankungen an. Seine auf medikamentösem Weg erzielten Erfolge müssen überzeugend gewesen sein, denn Paracelsus stellte fest: „Es sollte verboten und streng bestraft werden, den Tumor durch Schneiden, Brennen, Ätzen und andere Peinigungen zu vertreiben. Denn aus der Natur kommt die Krankheit, aus der Natur kommt die Arznei und nicht aus dem Arzt. Seine Therapie bestand nicht nur aus Arzneien, sondern immer auch aus einer psychologischen Behandlung. Weil jeder Erkrankung auch geistig-seelische Ursachen zugrunde liegen.
Leonhard Fuchs (1501 – 1565), Professor zu Ingolstadt, berichtete ausführlich über die erfolgreiche Wirkung pflanzlicher Drogen in der Tumorbehandlung. Ambroise Paré (1510 – 1590), wohl der genialste Chirurg der Renaissance, hat in seinen zahlreichen Büchern stets die Auffassung vertreten, dass der Tumorbildung eine Allgemeinerkrankung zugrunde liege, deren Behandlung allen eventuellen chirurgischen Maßnahmen voranzugehen hätte. J. Baptist van Helmont (1577 – 1644), Professor zu Leiden, beobachtete, dass seelische Belastungen eine Tumorerkrankung auslösen können, und nimmt damit Erkenntnisse der modernen Psychologie vorweg. 1650 sah Descartes aus Frankreich „entartete Lymphe“ als Ursache für Tumore an. Die Bösartigkeit der Krankheit hängt nach seiner Überzeugung, von der Beschaffenheit der Lymphflüssigkeit und deren Entartung ab. Georg Ernst Stahl (1660 – 1742), Professor in Halle und Berlin, wies auf das Vorhandensein einer inneren Heilkraft hin. Er sah im Fieber eine Heilmaßnahme des Körpers, die man keinesfalls unterdrücken sollte.
Die Behandlung von Tumoren war von der Antike bis ins 19. Jahrhundert im Wesentlichen dieselbe geblieben. Von jeher war man bestrebt gewesen durch blutreinigende, ausleitende Maßnahmen wie auch durch diätetische Umstimmung die „Schärfe der Säfte“ der Tumorpatienten zu lindern, und den Tumor selbst durch äußerlich oder innerlich angewandte chemische oder pflanzliche Mittel, zur Auflösung zu bringen. Die Überzeugung, dass Tumore auf eine innere Vergiftung des Gesamtorganismus zurückzuführen seien, dass diese daher – neben den lokalen Maßnahmen im Tumorbereich – auch der Entlastung durch reinigende, giftausleitende, konstitutionell umstimmende, ganzheitlich wirksame Heilmittel bedürfe, war allgemein verbreitet.
Neue Impulse hat die Konstitutionstherapie zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Entdecker der Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755 – 1843) erfahren. Alle chronischen Krankheiten seien im Grunde auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen, nämlich auf unbekannte innere Gifte. Grundlage der Heilkunde sei die ärztliche Erfahrung, also die sorgfältige Beobachtung der Natur. Hahnemann und seinen Schülern war aufgefallen, dass eine Reihe von Stoffen in toxischen oder subtoxischen Dosierungen angewandt in der Lage sind, kachektische Zustände und andere zum Erscheinungsbild der Tumorerkrankung gehörenden Symptome hervorrufen können. Sie schlossen daraus, dass umgekehrt hochverdünnte Zubereitungen dieser Mittel bei der Behandlung von Tumoren hilfreich sein müssen. In der Tat hat sich ergeben, dass durch diese Mittel in vielen Fällen eine positive Umstimmung des Krankheitsbildes, in einigen Fällen sogar ein völliges Verschwinden der Krankheitssymptome erreicht werden kann.
Was immer auch die jeweils vorherrschenden Lehre auch in den Vordergrund stellen mochte, in einem stimmen alle Ärzte überein, nämlich in der Überzeugung, dass dem Tumor eine Allgemeinerkrankung zugrunde liegt und im Tumor nur das Symptom dieser Erkrankung verkörpert wird. Es handelt sich hierbei nicht um unbewiesene Hypothesen, sondern um nüchterne Beobachtungen der Natur, deren Erkenntnisse man auch objektiv nicht als falsch bezeichnen kann.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts veröffentlichte Morgagni (1682 – 1772) sein bis heute berühmtes Werk „Über den Sitz und die Ursachen von Krankheiten“. Durch die von ihm durchgeführten Sektionen schloss er darauf, dass jede Krankheit ihren Sitz in einem veränderten Organ hat. Jedoch hatte er bei den Sektionen immer nur das Endstadium einer Erkrankung vor seinen Augen und nicht deren überregionale Entstehungsphase. Die lokale Fixierung einer Krankheit – und damit auch der Tumorerkrankungen – nimmt hier ihren Anfang. Ferner untersuchte man in der Folge die Tumore in der Pathologie auf ihre Gewebszusammensetzung und so erschien das erste „Lehrbuch über die Systematik der bösartigen Geschwülste“ von Laennec (1781 – 1826). Wenn man die Tumorforschung dieser Zeit analysiert, wird immer klarer, dass die Frage nach der Ursache der Tumorentstehung immer mehr vernachlässigt wurde, je intensiver sich die Ärzte um den morphologischen Feinbau und die Einteilung der einzelnen Tumore bemühten. 1824 erbaute Chevalier das erste achromatische Mikroskop, mit dem es nun endlich gelang Zellstrukturen näher zu untersuchen. Kurze Zeit später entdeckte Raspail in Paris, das Gewebe aus kleinsten, selbstständigen Einheiten zusammengesetzt sind, die er als Zellen bezeichnete. 1833 entdeckte Robert Brown den Zellkern. Johannes Müller (1801 – 1858), Professor der Physiologie, Anatomie und Embryologie in Bonn und Berlin, einer der bedeutendsten Ärzte des 19. Jahrhunderts, veröffentlichte 1838 eine richtungsweisende Arbeit mit dem Titel „Über den Feinbau und die Formen der krankhaften Geschwülste“. Er stellte fest, dass Tumore, genauso wie gesundes Gewebe, aus Zellen zusammenge-setzt sind. Auch für ihn war der Tumor eine Allgemeinerkrankung des Körpers.

Rudolf Virchow (1821 – 1902) stellte fest, dass Bindegewebe und Epithelgewebe die Grundsubstanz darstellen aus der sich auch bösartige Geschwülste entwickeln. 1858 veröffentlichte er seine „Zellularpathologie“. Er schrieb darin, dass alle krankmachenden Lebensvorgänge sich in der Zelle abspielen. Wegen der einschneidenden Bedeutung, die der Zellularpathologie nach Virchow für die spätere Auffassung in der Gesamtmedizin – insbesondere bei der Tumorerkrankung – zugemessen wird, ist es wichtig, Virchows eigene Meinung zu diesem Problem darzulegen. Aus dem nachfolgenden Zitat geht hervor, dass er seine Theorie immer nur als Ergänzung zur alt hergebrachten Ganzheitsschau sah. Auch er sah den Gesamtorganismus im Vordergrund und erst wenn dieser in seiner Komplexität geschädigt wird, kann ein Tumor entstehen. „Dies sind drei Dinge, welche bei der Frage von der Entstehung der Geschwülste und dem Wert der einzelnen hauptsächlich diskutiert worden sind: Veranlassende örtliche Dinge, Prädisposition bzw. Konstitution, Dyskrasie. Man sagt, tritt im Blut eine besondere Veränderung ein und findet sich im Körper ein günstiger Ort, so wird das kranke Blut auf den prädisponierten Ort wirken und die Tumorerkrankung hervorrufen.“
Durch die Entdeckungen Virchows war es nun möglich, an Zellen und Geweben Krankheiten einwandfrei zu erkennen und nachzuweisen. Dies war für die damalige Medizin, die in immer stärkerem Masse eine wissenschaftliche Basis anstrebte, ein solches Ereignis, dass es nur verständlich ist, wenn die Ärzte dieser Zeit sich dieser Forschungsrichtung voll zuwandten. Sahen sie darin doch endlich für das Krankheits-geschehen feste und erkennbare Anhaltspunkte. Noch war die Entdeckung zu neu, als dass man hätte wissen können, dass man es hier mit einer diagnostischen Großtat zu tun hatte, nicht aber mit der Erklärung für funktionell-krankmachende Abläufe. Diese Form der Zellularpathologie, die so von Rudolf Virchow nicht gedacht war, wurde als neue medizinische Weltanschauung von den folgenden Ärztegenerationen übernommen und ausgebaut. Wie so oft erlebte man, dass der starke Eindruck des Neuen das Gute am Alten vergessen ließ. Damit geriet das Bild der Tumorerkrankung, also der Grunderkrankung in Vergessenheit, der Blick aller Forschung und Behandlung wurde ausschließlich auf den Tumor gerichtet und ist bis heute praktisch auf ihm geblieben.
Aus einer chronischen Allgemeinerkrankung die letztendlich zum Tumor führt, war eine lokale Erkrankung geworden, und das Endsymptom der Krankheit wurde selbst zur Krankheit deklariert. Hiermit verließ man eine Anschauung, der fast 5000 Jahre die Ärzte gefolgt waren und die sich bewährt hatte. Durch die Überbetonung des Tumors, ging das Verständnis für die übergeordneten Zusammenhänge und damit für die Ursache der Tumorentstehung verloren.
Allein hierin ist die Ursache dafür begründet, dass man trotz der ungeheuren Anstrengungen, die weltweit auf dem Gebiet der Tumorforschung gemacht werden, bisher nicht entscheidend weitergekommen ist.
Seit rund 5000 Jahren wird die Tumorerkrankung als eine Allgemeinerkrankung gesehen und nicht als örtliches Leiden. Der Tumor ist in dieser Sichtweise nur das letzte Symptom eines langwierigen Krankheitsprozesses. Die Beseitigung der ursächlichen Faktoren muss die Basis bei jeder Tumortherapie darstellen. Leider wird in der herkömmlichen Medizin jedoch nur das Symptom, das Endstadium – der Tumor bekämpft. Die Folgeschäden die durch eine solche Therapie entstehen, sowie die Nichtbeachtung der kausalen Faktoren führen oft zur Metastasenausbildung. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bis in das 19. Jahrhundert in der Medizin die Auffassung vertreten wurde, das dem Tumor eine Allgemeinerkrankung zugrunde liegt. Demnach kann die Tumorerkrankung niemals in einem gesunden Organismus entstehen sondern immer nur in einem vorgeschädigten Organismus. Wenn man diese Vorschäden verhindert oder ausheilt, kann eigentlich keine Tumorbildung mehr stattfinden.

Tumormarker, ihre Entwicklung und Bedeutung heute
Tumormarker sind Proteine, Peptide oder andere biologische Substanzen vornehmlichst im Blut, im Serum, im Speichel aber auch im Stuhl, die im Gewebe oder anderswo im Körper vorkommen. Deren erhöhte Konzentration weist häufig auf einen Tumor oder das Rezidiv eines Tumors hin. Aufgrund oft geringer Spezifität sind die meisten Tumormarker weniger zum Screening als zur Verlaufskontrolle bei Tumorerkrankungen eingesetzt worden. Sie zählen aber zu den Biomarkern und gewinnen in der biologischen Therapie immer mehr an Bedeutung.
Tumormarker haben seit der Zeit ihrer Entdeckung sowohl für Ärzte als auch für viele Patienten eine besondere Bedeutung; bieten - oder suggerieren - sie doch die Möglichkeit, eine noch nicht symptomatische maligne Erkrankung frühzeitig zu erkennen.
Das carcinoembryonale Antigen (CEA) ist dabei eines der am längsten bekannten tumorassoziierten Antigene. Es hat sich inzwischen als „Klassiker“ etabliert und wird heute wegen seiner gesicherten klinischen Bedeutung allgemein anerkannt. Seit seiner Entdeckung vor fast 40 Jahren haben sich Arbeitsgruppen in aller Welt kontinuierlich mit diesem Tumormarker beschäftigt, sodass mittlerweile der Kenntnisstand sowohl über das CEA an sich, als auch über seine Rolle in der Diagnostik und der postope-rativen Verlaufsbeobachtung v.a. des kolorektalen Karzinoms (CRC) recht umfangreich ist. Auch nach der Entdeckung weiterer Tumormarker, die relevant für das kolorektale Karzinom sind (z. B. CA 19-9, CA 72-4), behielt das CEA seine Stellung als Spitzenreiter bei.
Das carcinoembryonale Antigen wurde erstmals im Jahre 1965 von Phil Gold und Samuel O. Freedman, Wissenschaftlern der McGill-Universität in Montreal, beschrieben. Sie identifizierten das CEA als ein Protein, das nach damaliger Meinung sowohl in embryonaler Kolon-Schleimhaut als auch in Adenokarzinomen des Kolons vorkam, nicht aber in gesundem Kolongewebe des Erwachsenen, und nannten es deshalb „carcino-embryonales Antigen“.
Nachdem ganz zu Anfang noch optimistisch von einer fast hundertprozentigen Sensitivität des CEA für Karzinome des Gastrointestinaltraktes ausgegangen wurde, erwartet man heute nur noch bei 55 % aller kolorektalen Karzinome erhöhte Werte. Besser geeignet ist der Tumormarker für die Detektion von Metastasen; hier ergaben verschiedene Studien eine Sensitivität von 80 – 100 %. Bezüglich der Erkenung von Rezidiven herrscht dagegen geteilte Meinung. Grundsätzlich ist das CEA für die postoperative Beobachtung und für das Monitoring unter Radio-/Chemotherapie unverzichtbar. Auch die prognostische Bedeutung des präoperativen CEA wurde bereits in den 70er Jahren erkannt. Patienten mit hohen Werten weisen häufig bereits fortgeschrittene Tumoren auf und leiden in höherem Maße an Rezidiven als Patienten mit niedrigen Ausgangwerten.